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Konzeption eines Mahnmals für die Opfer des Ölschieferwerkes „Wüste 1“ Dußlingen  - Gründung einer Projektgruppe  Mahnmal
 
 

Für Gedenkstätte zur Zwangsarbeit

VON ANGELA STEIDLE

Eine helle Granitstele inmitten eines schwarzen Geröllfeldes aus Schiefer. So könnte sich der Dußlinger Künstler Werner Steinmetz die Gedenkstätte »Wüste 1« vorstellen.   GEA-REPRO  DUSSLINGEN/ GOMARINGEN/ NEHREN. Das professionelle Interesse an der Aufarbeitung der Zwangsarbeit im NS-Ölschieferwerk am Geigesried ist so groß wie das Bedürfnis der Bürger, sich zu engagieren. »Es ist höchste Zeit, sich zu kümmern«, hatte SPD-Gemeinde- und Kreisrätin Renate Schelling gesagt. In Dußlingen geschieht das mit der Offenheit, die so ein Projekt braucht. Am Dienstag traf sich erstmals die Arbeitsgruppe zum Mahnmal »Wüste 1«.

Eine helle Granitstele inmitten eines schwarzen Geröllfeldes aus Schiefer. So könnte sich der Dußlinger Künstler Werner Steinmetz die Gedenkstätte »Wüste 1« vorstellen. GEA-REPRO
Der Dußlinger Gemeinderat hatte bereits im Juni beschlossen, ein Mahnmal für die Zwangsarbeiter des Ölschieferwerkes »Wüste 1« im Baugebiet Maltschach-Geigesried und am Schulstandort auf dem Höhnisch zu planen. Nun formierte sich ein engagiertes, ehrenamtliches Team aus Fachleuten, Bürgern und Anwohnern mit echtem Interesse. 

Die ersten Ergebnisse waren handfest: Hauptamtsleiterin Carmen Ott als Kümmererin wird Kontakt zu den Gemeinden Gomaringen und Nehren herstellen. »Die Nazis haben sich nicht um Gemarkungsgrenzen geschert«, sagte Schulleiter Fritz Gugel. Das ehemalige Zwangs-Arbeitslager mit Baracken und Produktionsstätten liegt mitten im »Bermudadreieck Du-Go-Ne«. 


Wichtig ist der Arbeitsgruppe eine Vernetzung mit anderen Gedenkstätten. Toni Deitmar, Kunstpädagogin in Reutlingen, regte an, das Projekt in den Bebauungsplan am Geigesried aufzunehmen. Außerdem soll das Wenige, das noch an »Wüste 1« erinnert, bis zum nächsten Treffen fotografiert und dokumentiert werden. 

Gleich im neuen Jahr ist eine Informationsfahrt zu umliegenden NS-Gedenkstätten geplant. Bereits aufgearbeitetes Material soll gesammelt und gesichtet werden. Etwa aus dem Buch von Kreisarchivar Wolfgang Sannwald über das Unternehmen »Wüste« oder eine Diplomarbeit in der Unibibliothek. Kreisrätin Schelling hatte für ein Arbeitsheft der Landeszentrale für politische Bildung zum Lager in Nehren recherchiert. 

Für Fritz Gugel, Schulleiter des Gymnasiums auf dem Höhnisch, ist überhaupt keine Frage: Die Ergebnisse aus vergangenen und laufenden Projekten zum Thema werden bis zum nächsten Treffen der Arbeitsgruppe Ende März/Anfang April von Schülern zusammengestellt und präsentiert. An der Schule entsteht bis dahin eine Website als interaktive Plattform für den Arbeitskreis. 

Fördergelder möglich

Darüber hinaus war es Gugel und Geschichts-Lehrer Sebastian Kämper wichtig, das Gymnasium als aktiven Bestandteil und Mit-Träger, möglicherweise als Standort für ein Dokumentationszentrum zu »Wüste 1«, auf Dauer zu installieren. Das Schulzentrum liegt mitten im ehemaligen NS-Lager. Darüber hinaus wollen sich die Schüler aktiv beteiligen. Etwa über das Tübinger Projekt der »Jugendguides auf den Spuren von NS-Verbrechen«. Zwei davon gibt es am Gymnasium schon. »Es dürfte kein Problem sein, weitere zu finden«, sagte Gugel. 

Werner Steinmetz, Künstler aus Dußlingen und Mitbegründer des Vereins Israelplattform, hatte sogar schon einen ersten Entwurf für ein Mahnmal mitgebracht. Der zwar unverbindlich ist, wie Bürgermeister Thomas Hölsch betonte, aber immerhin als Grundlage für mögliche Kosten herhält, die Teil der Haushaltsplanung 2013/14 sind. 

Spontan legte die Diskussionsrunde Möglichkeiten für Förderanträge vor: etwa über die Landeszentrale für politische Bildung und EU-Mittel für aktive Kulturförderung. Bürgermeister Hölsch sicherte dem Arbeitskreis im Namen des Gemeinderats, der Schulträger und als Umsetzungsorgan der Bebauung am Geigesried größtmögliche Autonomie zu. »Der Gemeinderat ist sehr aufgeschlossen. Der Arbeitskreis soll so selbstständig wie möglich arbeiten. Vielleicht finden sich so weitere, die sich anschließen wollen.« 

Mitarbeit der Schule günstig

Kreisarchivar Sannwald ist seit 1995 mit der Thematik des NS-Unternehmens »Wüste« befasst. Der Historiker hat mit dem Tübinger Projekt Jugendguides auf den Spuren von NS-Verbrechen »enorm gute Erfahrungen« bei der Motivation von 16- bis 23-Jährigen gemacht. Die Einbindung der Schule ist für Sannwald »eine unglaublich günstige Situation«. 

Sebastian Kämper, am Gymnasium zuständig für die ersten Schülerprojekte zu »Wüste 1«: »Die direkte Nähe zum Ort des Geschehens regt die Schüler zum intensiven Nachdenken an.« Schulleiter Gugel ist darüber hinaus persönlich betroffen: »Wir haben als Kinder oben in der Katzengoldschlucht gespielt.« Werner Steinmetz, mit Ewald Rager aktiv im Verein Israelplattform, will »aus der Vergangenheit Verantwortung in die Zukunft tragen«. 

Der Dußlinger Werner Arnold ist begeistert von der Art, wie etwa Hailfingen-Tailfingen seine NS-Vergangenheit aufgearbeitet hat: »Die KZ-Gedenkstätte ist eine der Jüngsten. Die Präsentation ist aufschlussreich, wertvoll und hilfreich«. Anke Krüger ist berührt und begeistert von der Bereitschaft, das Thema aufzuarbeiten. Wahl-Dußlinger Benjamin Hoffmann wurde beim »Marsch des Lebens« mit Zeitzeugen von Bisingen nach Dachau auf das Thema aufmerksam. 

Renate Schelling hat den Stein ins Rollen gebracht, »bevor da oben alles verschwindet«. Sie sagt: »Wir sind das erste Glied in einer Kette von Tübingen bis Rottweil«. Sie wünscht sich eine »aktive Erinnerung«. Was sie außerdem bewegt, ist die Geschichte ihres Großvaters, der als Sozialdemokrat im KZ Heuberg interniert war und die Frage, ob es noch Überlebende aus dem Dußlinger Lager gibt. (GEA)

 

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Materialien: 

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